Der Raubmörder Grasel. Und der Rest der Familie.

Der Autor

 

Wolfgang Aistleitner

geb. 1944

aufgewachsen in Linz

seit 25 Jahren Wahlmühlviertler

pensionierter Richter (Oberlandesgericht Linz)

 

1990   Solokabarett, dafür 1991 Mostdipfverleihung
1999   Gründung und Leitung der Justiztheatergruppe „Das Tribunal“ (u.a. „Die zwölf Geschworenen“, „Die Unschuldsvermutung“, „Szene Justiz“)
2003   Darsteller beim Festival der Regionen („Elf Seelen für einen Ochsen“)
ab 2015   Darsteller an der Grenzlandbühne Leopoldschlag (u.a. „Jägerstätter“, „Liliom“, „Die Mausefalle“)
2018   in Bad Zell „Die Hexenmacher. Eine Familienausrottung“ (Buch und Regie).
Wolfgang Aistleitner
Wolfgang Aistleitner

Die historische Person

 

Johann Georg Grasel,

am 4. April 1790 in Neuserovitz, tschechisch Nové Syrovice, geboren, am 31. Jänner 1818 in Wien durch den Strang hingerichtet.

Der Sohn eines Tierkadaververwerters wurde schon früh von Onkel und Vater in das verbrecherische Gewerbe von Diebstahl, Raub und Betrug eingeführt. Im Laufe seines Verbrecherlebens scharte er dabei eine Bande von etwa 60 Mitgliedern um sich, mit denen er in wechselnder Begleitung Niederösterreich und Mähren unsicher machte. Grasel scheute dabei auch vor Mord und Totschlag nicht zurück. Das brachte ihm den Ruf eines gefürchteten „Räuberhauptmanns“ ein. 1815 wurde er gefangen genommen und später in Wien hingerichtet. In der Volksüberlieferung wurde er später ohne reale Basis zum edlen Räuber hochstilisiert, der – ähnlich wie Robin Hood – die Reichen bestahl und die Armen beschenkte und so touristisch aufgehübscht und vermarktet.

Der tschechischen Ausdrucks grázl für Gauner hat übrigens den Ursprung im Namen Grasel.

Quelle: Wikipedia

Wie Wolfgang Aistleitner zum Grasel - Stoff kam

 

Mit meiner Bibliothek erbte ich auch das wissenschaftlich aufbereitete Buch: „Aus dem Archiv des Grauen Hauses- Johann Georg Grasel“. Jahrelang ließ ich es unbeachtet. Die uralten Kriminalfälle drängte ich zu Gunsten aktueller Kriminalsachen, die ich berufsbedingt zu bearbeiten hatte, in den Hintergrund.

Indes – vor ca. 30 Jahren sah ich im Waldviertler Hoftheater (Pürbach) ein Grasel - Stück, in dem er als sozialer Wohltäter, der per Diebstahl und Raub von oben nach unten umverteilt, wegkommt. Gleichsam nachkontrollierend erinnerte ich mich an das dahingilbende Buch, las es, lies mich fesseln und fand schließlich zu einem gänzlich anderen Grasel - Bild: Ein völlig verkommenes, immer wieder auch zu undifferenzierter Gewalt neigendes Monster.

Diese widersprüchlichen Befunde – hie Bühnenstück, da eine Art Auszug aus den originalen Gerichtskaten – veranlassten mich schließlich, meine eigene Bewertung in ein Schauspiel zu gießen. „Der Raubmörder Grasel. Und der Rest der Familie“ entstand. Allerdings beließ ich es nicht bei einer schlichten biografischen Skizzierung. Die übrige Familie Grasels, vor allem seine Schwester Anna Maria wird ebenfalls be- und durchleuchtet. Ein monströser Sohn und eine untadelige Schwester – wie geht das zusammen? Gibt es über den Grasel - Fall hinaus einen Erkenntnisgewinn, wie Persönlichkeiten geprägt werden? Das Stück versucht Antwort zu geben.

Wolfgang Aistleitner